Das Burnout Risiko entsteht aus einem Mix von äußeren und inneren Ursachen. Neben betrieblichen und unternehmenskulturellen Faktoren sind immer auch individuelle Faktoren ausschlaggebend. Bei den Bewältigungsstrategien müssen daher immer 3 Eckpfeiler berücksichtigt werden: die individuelle Person mit ihren Einstellungen und ihrem Verhalten, die betrieblichen Prozesse und Strukturen und die Unternehmenskultur und Führung.

Äußere Ursachen

  • Hohe Arbeitsbelastung, Stress
  • Mangelnde Ressourcen (Personal, Finanzmittel)
  • Fehlendes, oder wenig positives Feedback
  • Fehlende emotionale oder strategische Rückendeckung
  • Ständige Konfrontation mit Problemen, z.B. durch Kunden
  • Schwieriges Kunden- oder Vorgesetztenverhalten
  • Zu hohe oder unklare Erwartungen und Zielvorgaben
  • Ziele, die gegen die eigenen Wertvorstellungen verstoßen
  • Zerrissenheit zwischen Erwartungen des Vorgesetzten, der KollegInnen, der KundInnen
  • Mangelhafte Arbeitsorganisation, Strukturen, Rahmenbedingungen
  • Schlechte Teamarbeit, Konflikte, Kompetenzstreitigkeiten
  • Überforderung durch zu komplexe oder sich ständig ändernde Aufgaben, geringer Verdienst und die damit vermittelte Botschaft: „Deine Arbeit ist nichts wert!“
  • Drohender Arbeitsplatzverlust
  • Schlechtes Arbeitsklima
  • Wenig bis keine Einbindung in Entscheidungen
  • Wenig bis keine Gestaltungsmöglichkeiten der Arbeit, des Arbeitsplatzes, der Strukturen etc.

Und doch, nicht alle ArbeitnehmerInnen erkranken unter denselben Umständen an Burnout. Zusätzlich zu den äußeren Ursachen spielt auch die eigene Persönlichkeitsstruktur eine Rolle in dieser Entwicklung:

Innere Ursachen

  • Sehr hohe Ideale/Ehrgeiz
  • Perfektionismus
  • Die Unfähigkeit, „Nein“ zu sagen
  • Die Angst vor Ablehnung
  • Die Angst, den Erwartungen anderer nicht zu entsprechen
  • Die Angst vor Gesichtsverlust, z.B. wenn ein Projekt scheitert etc.
  • Die Angst, das Chaos könnte herein brechen
  • Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, Sicherheit zu verlieren
  • Die Angst vor Versagen
  • Die Angst vor Kritik
  • Die Angst, als Verlierer da zu stehen
  • Die Angst, in der grauen Masse unterzugehen
  • Die Angst, „es“ nicht zu schaffen
  • Den Wunsch, gut, der/die Beste zu sein
  • Den Wunsch, erfolgreich zu sein
  • Den Wunsch, es den anderen zu zeigen, etwas beweisen zu wollen
  • Den Wunsch, den Menschen wirklich helfen zu können
  • Den Wunsch, wirklich etwas zu bewirken
  • Den Wunsch nach Anerkennung, Wertschätzung
  • Den Wunsch nach materieller Sicherheit
  • Mangelnde und/oder ungesunde Bewältigungsstrategien (Coping)

Behandlung

So viel ist sicher: Mit rascher Heilung oder Wunderheilungen kann man nicht rechnen. Eine Krankheit, die sich über Jahre entwickelt hat wird man nicht in wenigen Wochen los. Je nach Phase und Ausmaß der Erkrankung bieten sich verschiedene Behandlungsmöglichkeiten an. In den ersten beiden Phasen ist durch Reflektion und Veränderung des eigenen Verhaltens, im Idealfall begleitet von einer Änderung krankmachender Strukturen im Arbeitsumfeld, hilfreich. Im fortgeschrittenen Stadium (Frustration) ist eine Selbsthilfe nicht mehr möglich und die Hilfe eines Therapeuten oder Coaches muss in Anspruch genommen werden. In schwerwiegenden Fällen ist auch ein stationärer Aufenthalt möglich.

Die Kosten für Therapien werden von den Kassen übernommen, jedoch muss man mit Wartezeiten rechnen. Coaching ist eine kurzfristige Maßnahme und wird von den Krankenkassen nicht übernommen. Es finden sich jedoch zunehmend Unternehmen, die Coachingmaßnahmen z.B. im Rahmen einer betrieblichen Gesundheitsvorsorge anbieten.

Eine längere Auszeit, in der man sich voll auf sich selbst konzentrieren kann, kann helfen. Schwieriger gestaltet sich der berufliche Wiedereinstieg, weil die Gefahr besteht, in alte Muster zurück zu fallen. Die Begleitung durch eine/n TherapeutIn oder Coach ist hier sehr ratsam.

Prävention

Hier spielt die Salutogenese eine wichtige Rolle, ein Konzept von Aaron Antonovsky, das zu erklären versucht, wie Menschen auch unter belastenden Umständen gesund bleiben können. Ressourcenorientierung, Selbstwirksamkeit und Motivation sind Themen die in der Beschäftigung mit Prävention vorkommen müssen. Achtsamer Umgang mit dem Menschen und seinem Körper sind weitere Eckpfeiler für den Erhalt der Gesundheit.

Auf Organisations-Ebene

Zur konsequenten Umsetzung des Arbeitsschutzes sind Arbeitgeber ohnehin verpflichtet. Seit den 90ger Jahren sind dabei psychomentale Belastungen in die für Arbeitsplätze und Arbeitsaufgaben vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilungen mit einzubeziehen. Das Gesetz verlangt außerdem die Planung und Wirksamkeitskontrolle präventiver Maßnahmen gegen psychische Fehlbelastungen. Betriebsräte, wenn sie im Unternehmen vorhanden sind, sind verpflichtet, die Umsetzung der Arbeitsschutzvorschriften mitzubestimmen und zu überwachen.

Über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus, entwickelt jedes Unternehmen eine Kultur, die sich von „oben“ nach „unten“ fortsetzt. In dieser Kultur sind Werte verankert, die die Gesundheit der MitarbeiterInnen mittelbar beeinflussen. Werte wie Respekt und Wertschätzung. Die Haltung gegenüber KundInnen und MitarbeiterInnen. Der Wert den Familie und Freizeit einnehmen. Werte wie Kollegialität und Fairness. Was gilt im Unternehmen als „schwach“? Wie geht das Unternehmen mit „Schwäche“ um? Wie geht es mit Krankheiten um? Was lebt das Management vor?

Ganz einfach ausgedrückt, sollten ArbeitnehmerInnen die Unterstützung vorfinden, die sie brauchen, um ihren Job gut zu machen, so dass ihnen auch nach Dienstschluss genug Kraft bleibt, um private Ziele und Wünsche zu verwirklichen.

Auf Führungsebene

In allen Studien wird hervorgehoben, dass Burnout dort entsteht, wo Arbeitsbelastung auf wenig Entscheidungs- und Handlungsspielraum trifft, unabhängig von Bildungsstand, Alter oder Geschlecht. Eine sehr wirksame Maßnahme gegen Burnout ist daher die verstärkte Einbindung der MitarbeiterInnen in Entscheidungen. Vor allem in Entscheidungen, die ihre Arbeit betreffen. Das erfordert einen partizipativen Führungsstil. Dies verdeutlicht, dass es nicht so sehr darauf ankommt, die psychomentale Belastung zu reduzieren, denn Partizipation kann unter Umständen sogar zu mehr Arbeit führen. Wichtig ist vielmehr die Vermeidung von Fehlbelastung.

Führungskräfte müssen darauf geschult sein, Burnout Symptome zu erkennen und ihre MitarbeiterInnen auch darauf ansprechen können. Sie müssen einen Handlungsspielraum haben, in dem sie mit ihren MitarbeiterInnen Lösungswege suchen. Sie benötigen Zugriff auf unterstützende Dienstleistungen wie z.B. Coaches oder Therapeuten, denen sie ihre MitarbeiterInnen anvertrauen können. Und wenn betroffene MitarbeiterInnen aus dem Krankenstand zurückkehren, benötigen Sie Informationen und Handlungsmöglichkeiten, diese wieder in den Arbeitsprozess zu integrieren.

Die Fachwelt ist sich einig: Den einzigen Fehler, den man in der Kommunikation mit Burnout Betroffenen machen kann ist, das Thema nicht anzusprechen.

Auf individueller Ebene

Bei aller Verantwortung des Unternehmens, am Ende ist auch jede/r einzelne MitarbeiterIn für die eigene Gesundheit verantwortlich. Für sie ist es wichtig, sich selbst Zeit und Raum zum Ausruhen und Regenerieren zu gestatten. Ausgleichsmöglichkeiten wie Bewegung, Sport, Musik oder andere Hobbys sind eine Investition in die eigene Gesundheit. Das Erlernen von Entspannungstechniken, die während oder nach schwierigen Phasen eingesetzt werden können, helfen außerdem, unmittelbare Stressspitzen abzufangen und die Regenerationsfähigkeit zu fördern.

Training, Coaching oder Supervision eignen sich als Maßnahmen, um geeignete Techniken zu erlernen.

Auf Team Ebene

Fehlbelastungen kann durch die Schaffung von Raum zur Reflektion im Team gegengesteuert werden. Reflektion sollte nicht dahingehend missverstanden wird, dass das Team in ein Gruppen-Jammern verfällt. Was MitarbeiterInnen präventiv zu einem gesunden Arbeitsklima beitragen können ist, die Aufmerksamkeit auf Ressourcen zu lenken. Witze, Urlaubsimpressionen, Kindergeschichten, alle positiven inneren Bilder sind Ressourcen die man miteinander teilt und die gut sind für die kollektive Gesundheit. Jeder positive Gedanke im Sinne von: „Wie kann es gehen? Wer kann mir helfen?“ statt „Ich bin unfähig dazu. Mir hilft eh keiner.“ stärkt den Einzelnen und das Team. Auch MitarbeiterInnen können im Sinne der sozialen Verantwortung füreinander einstehen und KollegInnen vertrauensvoll ansprechen, wenn ihnen Veränderungen im Verhalten auffallen. Sie können sie ermutigen, mit dem Betriebsarzt, einem Coach oder TherapeutIn zu sprechen oder sich Ruhe und eine Auszeit zu gönnen.